Juni 19, 2011
Atzelbergplatz
Der Atzelbergplatz

war Gegenstand der Beratung in der letzten Stadtverordnetenversammlung. Bei diesem Platz, der beim Bau der Atzelbergsiedlung in den 70er Jahren zu einem neuen Stadtteilzentrum entwickelt werden sollte, gibt es wirklich dringenden Handlungsbedarf. Die Siedlung insgesamt konnte über ein Vielzahl von Maßnahmen und sozialen Interventionen inzwischen stabilisiert werden.
Der öde Platz jedoch ist schon seit 2008 in Planungswerkstätten Thema. Durch das Interesse und Angebot der Katholischen Kirche Liegenschaften in der Umgebung des Platzes zu veräußern und zu entwickeln, ergab sich die Möglichkeit für eine größere städtebauliche Lösung. Nur ein Teil dieses Gesamtkonzeptes ist die Ansiedlung eines großflächigen Supermarktes mit Tiefgarage am Atzelbergplatz und dieser Supermarkt und die Sicherstellung der Nachversorgung waren der Hauptstreitpunkt in der Debatte im Ortsbeirat und auch in der Stadtverordnetenversammlung. Mit der Beschlusslage vom 16.6.2011 sehe ich gute Voraussetzungen für die städtebauliche Weiterentwicklung und Sicherung der Nahversorgung in Seckbach gegeben. Um den Atzelbergplatz zu einem Zentrum zu entwickeln und die Nahversorgung für die Seckbacherinnen und Seckbacher dauerhaft sicherstellen, braucht es die große städtebauliche Lösung und eine vertragliche Vereinbarung mit dem jeweiligen Supermarktbetreiber.
Der Vorschlag nur den Platz zu verschönern, aber den Lebensmittelmarkt und alle weiteren Planungen wegzulassen, führt in die falsche Richtung. Allein ein Facelifting für den Platz wird nichts ändern. An einem Samstagmorgen, davon konnte ich mich überzeugen, sind die Seckbacher auf dem Bornheimer Wochenmarkt, im Hessenzentrum, überall in der Stadt zu finden, nur nicht an ihrem vermeintlichen Zentrum, da trifft man niemanden. Der Platz braucht einen verlässlichen, alltäglichen Anziehungspunkt. Ein solcher Anziehungspunkt war von jeher ein Markt und heute haben die Supermärkte diese Funktion vielfach übernommen. Sie haben die Bringfunktion, die anderen Geschäften, der Gastronomie und eben dem öffentlichen Raum, die nötige Besucherfrequenz beschert. Deshalb wäre eine Planung ohne den größeren Lebensmittelmarkt ein erneuter planerischer Fehlversuch.

Nur das Gesamtkonzept bietet die Chance, dass der Atzelberg wirklich das neue, lebendige und nachgefragte Zentrum wird. Die Bedenken, dass der kleine Markt verschwindet, sind natürlich berechtigt. Das wird er aber auf jeden Fall, wenn die Gesamtplanung nicht zum Tragen kommt. Denn hierauf hat die Stadt keinen Einfluss. Die Nahversorgung auch der mobilitätseingeschränkten Seckbacher muss jedoch sichergestellt werden. Bringdienste sind ein nettes Serviceangebot bei Krankheit oder Zeitmangel, für mobilitätseingeschränkte Menschen haben sie jedoch eher den Charakter wie „ Rollstuhlfahrer bitte klingeln“. Für betagtere Menschen, deren Mobilität durch allgemeine Schwäche, Schmerzen im Bewegungsapparat oder eingeschränkte Sehfähigkeit reduziert ist, ist die Autonomie, Partizipation, Erhaltung von Alltagskompetenz von ganz besonderer Wichtigkeit und dafür müssen wir
Stadtverordnete einstehen. Deshalb hat die Schwarz-grüne Koalition einen Antrag eingebracht, mit dem der jeweilige Marktbetreiber im neuen Zentrum vertraglich verpflichtet wird, auch den kleinen Markt in der Wilhelmshöher Straße zu beschicken. Und das kann die Stadt, bzw., die ABG vertraglich regeln und es gibt erste positive Signale der Beteiligten.
Die M 98 in Verbindung mit der NR 39 sind deshalb für mich das richtige Mittel und der richtige Weg Planungsdefizite der 70 ger zu korrigieren, dem Quartier ein attraktives Zentrum zu geben und die Nahversorgung für alle verlässlich zu organisieren.
Das plötzliche Auftauchen eines Investors, der sich ausschließlich um weitere Wohnbebauung bewirbt und städtebauliche Überlegungen vernachlässigt, stellt deshalb keine wirkliche Alternative dar. Wenn das Projekt erneut geschoben worden wäre, um diese vermeintliche

Alternative zu prüfen, musste befürchtet werden, dass es auch in Zukunft kein echtes Stadtteilzentrum für Seckbach gibt und schon sehr schnell keinerlei Nahversorgung.
Wie die Kirche entscheiden wird, weiß der Himmel. Ich hoffe, dass sie – wie in früheren Jahrhunderten – Seckbach die Marktrechte gibt und Chance nicht verstreichen lässt, mitten im Dorf, mitten im Marktgeschehen und damit nah bei den Menschen zu bleiben.
